Montag, 3. September 2007

Das ist Leeuwarden ... (30.8.07)

Wir haben erfahren, dass die Wohnsituation der Studenten in Holland weitaus nicht so gut organisiert ist, wie bei uns. Studenten wohnen hier oft in engen Dachzimmern, dunklen, kleinen Kellerräumen oder ausrangierten Altbaugeschoßen, die an bis zu 10 Studenten vermietet werden. Für Holländer ist diese Situation absolut nichts außergewöhnliches, denn sie verbringen nicht viel Zeit in ihren Studentenbehausungen. Es ist weiters nicht normal, dass solche Unterkünfte mit Möbeln und Hausrat oder Betten und Bettzeug ausgestattet sind. Es war für die Noordelijke Hoogeschool Leeuwarden ein großer Aufwand möblierte und ausgestattete Unterkünfte für uns Austauschstudenten zu organisieren, auch wenn sie noch so mieselsichtig sind.




Ohne Fahrrad ist man hier praktisch kein Mensch. Die Unterkünfte neben dem Campus wurden abgerissen, da der gesamte Campus neu gebaut wird. Daher befindet sich unsere Caravanensiedlung am nördlichen Stadtrand in deinem aufgelassenen alten Park, der im 2. Weltkrieg von den Deutschen angelegt wurde und wir müssen uns unbedingt so schnell wie möglich ein Fahrrad kaufen, denn der Bus ist sehr teuer. Allerdings übersteigt momentan die Nachfrage an Fahrräder bei weitem das (legale) Angebot. Ein gebrauchtes, verrostetes Fahrrad steht momentan bei ca. 225 €. Wir würden mittlerweile schon alles nehmen, was da kommt, aber mit solchen Kosten haben wir bei weitem nicht gerechnet. Auch in keinen Erfahrungsberichten war davon zu lesen, da natürlich Austauschstudenten vor uns in den Campusquartieren untergebracht waren, die aber jetzt eine Baustelle ist.

Als ob das nicht schon genug wäre haben wir heute erfahren, dass wir unsere Kurse nicht so wie geplant belegen können. Warum wir darüber nicht bereits im Vorhinein benachrichtigt wurden kann zwar kein Incoming verstehen, auf jeden Fall gibt es fast bei jedem Probleme. Es ist ja so, dass hier die Semester in 4 achtwöchige Abschnitte eingeteilt sind, die jeweils einen anderen Stundenplan haben. Da wir Kurse aus dem Campus Management und welche aus dem Campus Communication gebucht haben bedeutet das für uns, dass an beiden Standorten alle 8 Wochen andere Studenpläne veröffentlicht werden, die aber nicht aufeinander abgestimmt werden. Nicht nur, dass die beiden Standorte weit von einander entfernt liegen, aber auch die Kollisionen, die durch die ständig wechselnden Stundenpläne entstehen, zwingen uns dazu, nur Kurse EINES Standortes zu wählen. So wurde es uns empfohlen und so versuchen wir es auch. Allerdings bietet der Campus Management selbst keine IT-Kurse an. Wir versuchen nun dieses Fach am Campus Communication zu buchen und mit unserem Studenplan zu vereinbaren oder im Learning Center am Campus Management zu belegen, falls dort IT-Kurse angeboten werden.

Wir laufen täglich mit unseren Einkauf- und Schultaschen bis zu 15 km und die beiden Buslinien in der Stadt erkennen gegenseitig die Tickets nicht an, wodurch wir täglich bis zu 5 € für innerstädtischen Transport ausgeben – kurz: WIR BRAUCHEN FAHRRÄDER!

Hoffentlich klärt sich bald alles und es kehrt hier so etwas wie Alltag ein. Allerdings haben wir uns mit den anderen Austauschstudenten schon gut angefreundet. Hier sind wirklich viele Incomings – ca. 100! Da wird’s nie langweilig! Diese Woche ist volles Kennenlernprogramm. Gestern Abend waren wir bei einer Karaoke Party und heute geht’s endlich zum Pub Crawl (Kneipentour)! Davor gibt’s BBQ (Grillen) und jede Nation muss in 3 Min. das Heimatland vorstellen – Wir werden Peter’s Brünnerle zum Besten geben!

Aber die Holländer sind wirklich sehr hilfsbereit und jeder hier hilft gerne und die Fremdsprachenkenntnisse der Leute hier sind toll! Mal davon abgesehen, dass wir sehr viel von dem verstehen, was sie sagen, sprechen sie sehr gut Englisch und und viele hier sprechen sogar Deutsch und/oder Französisch! Kein Vergleich zum lernfaulen Österreich!

Das Wetter könnte echt besser sein, aber man kann eben nicht alles haben.

Es freut mich zu hören, dass bei euch daheim alles in Ordnung ist und dass sich die Welt auch ohne mich weiter dreht – auch wenn nicht so rund! Aber ich fühle mich sehr geehrt, weil mir das zeigt, dass ich in eurem Leben einen festen Platz habe. Ich werde die Zeit hier genießen und versuchen die holländische Kultur ein bisschen zu verstehen, das ist wirklich nicht leicht…
Also Leeuwarden hat etwa die Größe von Wels und rund um die Stadt ist echt GAR NICHTS!!! NIRVANA sozusagen. Aber in der Stadt gibt es alles, was das Herz begehrt. Es ist eine sehr romantische, gemütliche und herzliche Studentenstadt, die vom friesischen Flair geprägt ist. Natürlich gibt es auch schon Fotos…

Keine Kommentare: